Jesaja 6,8 • Lukas 7,22
Zusammenfassung: Dieser Bericht vertritt die Auffassung, dass die Beziehung zwischen Jesaja 6,8 und Lukas 7,22 nicht nur zufällig ist, sondern den Anfang und das Ende einer spezifischen Epoche der Heilsgeschichte darstellt. Während Jesaja 6 eine prophetische Berufung innerhalb der hohen Liturgie des himmlischen Thronsaales detailliert beschreibt, bietet Lukas 7 eine narrative Antwort inmitten des Staubes des Palästina des ersten Jahrhunderts. Eine rigorose exegetische Untersuchung offenbart, dass Lukas 7,22 als die eschatologische Umkehrung des in Jesaja 6,8 eingeleiteten Gerichts fungiert. Wo der alte Prophet zu einer Aufgabe richterlicher Verstockung beauftragt wurde – Augen zu blenden und Ohren taub zu machen –, bestätigt Jesus seine Identität als Messias, indem er die präzise Umkehrung dieses Gerichts vollzieht: Die Blinden werden sehend, die Tauben hören und den Armen wird das Evangelium verkündet.
Um die Größe dieser Umkehrung zu verstehen, müssen wir zuerst die erschreckende Natur von Jesajas ursprünglichem Auftrag erfassen. Inmitten der politischen Instabilität nach dem Tod König Usijas begegnet Jesaja der überwältigenden Heiligkeit Gottes und meldet sich freiwillig zum Dienst mit dem berühmten Ruf: „Hier bin ich. Sende mich!“ Die Mission, die er annimmt, ist jedoch eine Last eines „negativen Dienstes“. Er wird zu einem Volk unreiner Lippen gesandt, um sicherzustellen, dass sie *nicht* sehen und *nicht* geheilt werden, wodurch sie effektiv in ihrer Rebellion versiegelt werden. Dies schafft eine theologische Trajektorie sensorischer Deprivation, wo die geistlichen Fähigkeiten der Nation als Folge von Bundestreuebruch abgestumpft werden.
Die Lösung dieses jahrhundertealten geistlichen Komas trifft in der Erzählung von Lukas 7 ein, ausgelöst durch Johannes des Täufers Glaubenskrise. Als Johannes Boten aus dem Gefängnis sendet, die fragen, ob Jesus wirklich der „Kommende“ ist, antwortet Jesus nicht mit theologischer Argumentation, sondern mit performativer Apologetik. Er weist die Boten an, zu berichten, dass die Blinden sehen und die Tauben hören. Indem Jesus diese spezifischen Wunder zitiert, signalisiert er, dass der „jesajanische Zustand“ von Blindheit und Taubheit umgestürzt wird. Er präsentiert sich als der Heiler, der den Fluch aufhebt und die göttliche Ökonomie von einer Zeit der Verstockung zu einer Ära der Gnade verschiebt, wo die „Armen“ und Marginalisierten die primären Empfänger des Reiches sind.
Theologisch demonstriert diese Analyse, dass die göttliche Ratsfrage „Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?“ ihre ultimative Antwort in der Inkarnation findet. Jesus ist der Freiwillige, der vortritt, um dem Ruf zu folgen – nicht um Lippen mit einer Kohle zu verbrennen, sondern um sie mit einem Wort zu heilen. Das „Uns“ des himmlischen Ratschlusses findet seinen irdischen Ausdruck im Dienst des Sohnes, der die Kluft zwischen Gottes Heiligkeit und menschlicher Unreinheit überbrückt. Der zur richten Gesandte (Jesaja) wird durch den zur retten Gesandten (Jesus) abgelöst, was bestätigt, dass die „Zeiten der Heiden“ und die Ära der Verstockung durch die Invasion der Barmherzigkeit unterbrochen werden.
Letztendlich definiert diese Korrelation die Natur unserer gegenwärtigen apostolischen Mission. Das Gericht des „Heiligen, Heiligen, Heiligen“ Gottes wird nicht lediglich durch die Zerstörung des Sünders gesättigt, sondern durch das sühnende Werk des Messias. Wir sehen, dass der Ruf „Hier bin ich“ von demjenigen beantwortet wurde, der die Macht hat, die Blinden sehend zu machen. Folglich wird die Glaubensgemeinschaft in die Welt gesandt, nicht um an der Verstockung der Herzen teilzuhaben, sondern um zu verkünden, dass der Freiwillige eingetroffen ist, die Augen geöffnet werden und der Fluch von Jesaja 6 durch die Gnade des Kommenden zurückgenommen wird.
Die biblische Metanarrative wird häufig durch Momente göttlicher Berufung vorangetrieben – singuläre Augenblicke in der Geschichte, in denen der transzendente Wille des Schöpfers sich mit dem menschlichen Handeln durch einen spezifischen, eindringlichen Ruf zum Handeln überschneidet. Innerhalb des weiten Kanons der Heiligen Schrift stechen zwei solcher Erzählungen als theologische Pole hervor: die erste Vision des Propheten Jesaja im Jerusalemer Tempel (Jesaja 6) und die Bestätigung von Jesus von Nazareth inmitten seines Wirkens auf dem galiläischen Land (Lukas 7). Auf den ersten Blick scheinen diese Texte durch weite Abgründe von Gattung, Geographie und Chronologie getrennt zu sein. Jesaja 6,8 ist eine klassische alttestamentliche prophetische Berufungserzählung, angesiedelt in der hohen Liturgie des königlichen Hofes und des himmlischen Thronsaales während des achten Jahrhunderts v. Chr. Lukas 7,22 ist eine neutestamentliche narrative Antwort, die den Boten eines inhaftierten Propheten inmitten des Staubes und der Krankheiten des Palästina des ersten Jahrhunderts überbracht wird.
Eine rigorose exegetische und theologische Untersuchung offenbart jedoch, dass diese beiden Texte nicht nur isolierte Vorfälle von „Sendung“ sind. Vielmehr stellen sie den Anfang und das Ende einer spezifischen Epoche der Heilsgeschichte dar. Die Beziehung zwischen Jesaja 6,8 („Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?“) und Lukas 7,22 („Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt“) ist eine von tiefer theologischer Auflösung. Bei Jesaja wird der Bote zu einer Aufgabe der richterlichen Verstockung beauftragt – zu einem Volk gesandt, dessen Sinne abgestumpft, Augen geblendet und Ohren taub gemacht werden sollen als Folge von Bundestreuebruch. Bei Lukas bestätigt der Bote – der Messias – seine Identität, indem er die präzise Umkehrung dieses Gerichts vollzieht: Die Blinden werden sehend, die Tauben hören und den Armen wird das Evangelium verkündet.
Dieser Bericht vertritt die Auffassung, dass Lukas 7,22 als die eschatologische Umkehrung des in Jesaja 6,8 eingeleiteten Gerichts fungiert. Durch die Analyse der sprachlichen Verbindungen zwischen dem hebräischen shalach und dem griechischen apostello, des thematischen Zusammenspiels sensorischer Wahrnehmung (Blindheit/Sehen, Taubheit/Hören) und der historischen Kontexte des „Kommenden“ zeigt diese Analyse, dass Jesus von Nazareth sich nicht nur als die ultimative Antwort auf die göttliche Frage „Wen soll ich senden?“ präsentiert, sondern als der Heiler, der den jahrhundertealten Fluch der geistlichen Unempfindlichkeit vom Volk Gottes nimmt.
Die Berufung Jesajas ist nicht in einem mythologischen „Es war einmal“ verankert, sondern in einem konkreten historischen Moment: „In dem Todesjahr des Königs Usija“ (Jesaja 6,1). Um das Gewicht der in Vers 8 gestellten Frage zu verstehen, muss man zuerst das Ausmaß der durch Vers 1 dargestellten Krise erfassen. Usija (auch bekannt als Asarja) hatte zweiundfünfzig Jahre über das Südreich Juda regiert, eine Amtszeit, die von außergewöhnlicher Stabilität, militärischer Befestigung und wirtschaftlichem Wohlstand geprägt war. Seine Herrschaft stellte ein „silbernes Zeitalter“ für Juda dar, nur dem goldenen Zeitalter Salomos unterlegen. Er hatte die Philister unterworfen, Jerusalem mit neuen Türmen befestigt und die Landwirtschaft gefördert.
Das Ende von Usijas Leben war jedoch durch einen tragischen Akt der Hybris getrübt. Wie in 2. Chronik 26 berichtet, wagte es der König, in den Tempel des Herrn zu treten, um auf dem Räucheraltar Weihrauch zu verbrennen – ein Vorrecht, das streng dem geweihten Priestertum vorbehalten war. Als Reaktion auf dieses Sakrileg brach an seiner Stirn Aussatz aus. Der König, der die „Stärke des HERRN“ gewesen war (die Bedeutung von Usija), starb in Isolation, abgeschnitten vom Haus des Herrn und der Gesellschaft seines Volkes.
Der Tod einer solch monumentalen Figur schuf ein tiefes Führungsvakuum und eine Krise der nationalen Identität. Die psychologischen Auswirkungen auf die Nation wären vergleichbar mit dem Tod eines langjährigen, grundlegenden Monarchen oder Führers in der modernen Geschichte gewesen. Darüber hinaus fiel diese interne Destabilisierung mit einer externen existenziellen Bedrohung zusammen: dem Aufstieg des Neuassyrischen Reiches. Unter Tiglath-Pileser III entwickelte sich Assyrien zu einer wieder auflebenden, räuberischen Maschine, die nach Westen drängte und drohte, die kleinen Staaten der Levante zu verschlingen.
In diesem Moment des Übergangs – wo der irdische Thron vakant war, der irdische König in Unreinheit gestorben war und der geopolitische Horizont sich mit dem Rauch assyrischer Eroberung verdunkelte – wird Jesaja eine Vision der wahren Realität gewährt. Das Datum dient als theologischer Kontrapunkt: Der irdische König ist tot, aber Adonai (der souveräne Herr) sitzt auf einem hohen und erhabenen Thron. Die Stabilität des Kosmos beruht nicht auf der Langlebigkeit des davidischen Monarchen, sondern auf der ewigen Herrschaft Jahwes. Die Säume Seines Gewandes füllen den Tempel und lassen keinen Raum für menschliche Manöver oder die Anmaßungen irdischer Potentaten. Dieser Kontext ist wesentlich, um die Schwere der Berufung in Vers 8 zu verstehen; die Mission besteht nicht einfach darin, die Tora zu lehren, sondern den unveränderlichen Souverän einer Nation zu repräsentieren, die am Rande der Auflösung steht.
Bevor die Frage des „Sendens“ artikuliert werden kann, muss der Prophet eine sensorische Dekonstruktion seiner Realität durchlaufen. Die Vision des Herrn wird primär durch das Attribut der Heiligkeit definiert – das Trisagion („Heilig, heilig, heilig“), das von den Seraphim ausgerufen wird. Diese dreifache Wiederholung (ein hebräischer Superlativ) betont die unendliche qualitative Unterscheidung zwischen Gott und seiner Schöpfung. Die Seraphim („die Brennenden“) bedecken ihre Gesichter und Füße und erkennen an, dass selbst ungefallene Engelwesen die unvermittelte Essenz Gottes nicht schauen können.
Die sensorische Erfahrung ist überwältigend. Die Grundfesten der Schwellen erbeben beim Klang der Stimme dessen, der ruft, und das Haus ist mit Rauch gefüllt. Dieser Rauch erinnert an die Wolke der Herrlichkeit (Schechina), die die Stiftshütte und Salomos Tempel erfüllte und die greifbare, schwere Gegenwart Gottes (kabod) kennzeichnete. Im Kontext des Gerichts deutet Rauch jedoch auch auf die Nachwirkungen des Feuers und die Undurchdringlichkeit des göttlichen Geheimnisses hin.
Die Interaktion beansprucht alle Sinne: Jesaja sieht den Herrn, hört den antiphonalen Gesang, spürt das Beben der Erde und riecht den Rauch. Diese multisensorische Überladung dient dazu, das bisherige Realitätsgerüst des Propheten zu zerbrechen. Er wird von der alltäglichen Stabilität der Usija-Ära losgerissen und mit der erschreckenden Dynamik des Lebendigen Gottes konfrontiert. Diese Konfrontation ist die Voraussetzung für die Berufung; man kann nicht von einem Gott gesandt werden, dem man nicht wirklich begegnet ist.
Das unmittelbare Ergebnis dieser Theophanie ist nicht Trost, im Gegensatz zu modernen evangelikalen Vorstellungen von „Begegnung“, sondern Schrecken und Zerfall. Jesaja ruft aus: „Weh mir, ich vergehe!“ (nidmeti – wörtlich „Ich bin zum Schweigen gebracht“ oder „Ich bin abgeschnitten“). Im strahlenden Licht des Königs stehend, sieht Jesaja nicht sein eigenes prophetisches Potenzial oder seine moralische Überlegenheit; er sieht seinen Schmutz.
Entscheidend ist, dass Jesaja den Ort seiner Verderbnis identifiziert: „Denn ich bin ein Mann unreiner Lippen und wohne unter einem Volk unreiner Lippen“. Dieses Bekenntnis ist chirurgisch präzise. Die Lippen sind das Instrument des Propheten; sie sind der Mechanismus seines Dienstes. Ist das Instrument verunreinigt, ist die Mission unmöglich. Darüber hinaus identifiziert sich Jesaja mit seiner Gemeinschaft. Er steht nicht als gerechter Überrest abseits, der die Gottlosen verurteilt; er steht innerhalb der sündigen Nation und teilt ihre systemische Unreinheit.
Die Verbindung zu König Usija ist hier stark. Usija starb an Aussatz – einer Hautkrankheit, die zeremoniell unrein machte und das Bedecken der Oberlippe sowie den Ruf „Unrein! Unrein!“ (3. Mose 13,45) erforderte. Jesaja, vor dem wahren König stehend, erkennt, dass er geistlich aussätzig ist. Er ist im selben Zustand wie der tote König: unrein und ungeeignet für die Gegenwart des Heiligen. Diese Erkenntnis der völligen Unfähigkeit ist der Negativraum, in den die Gnade der Berufung schließlich fließen wird.
Der Übergang von der Paralyse des „Weh mir“ zum Voluntarismus des „Hier bin ich“ wird gänzlich durch die Sühne vermittelt. Dies ist keine selbstinitiierte Rehabilitation. Ein Seraph fliegt zum Altar – dem Ort des Opfers und der Stellvertretung – und nimmt eine glühende Kohle (ritzpah). Diese Kohle wird auf den Punkt der bekannten Sünde gelegt: die Lippen.
Der Seraph erklärt: „Siehe, dies hat deine Lippen berührt; deine Schuld ist weggenommen und deine Sünde gesühnt“ (Jesaja 6,7). Die Bildsprache ist gewalttätig und schmerzhaft; Feuer brennt. Doch in der Ökonomie Gottes ist das Feuer, das verzehrt, auch das Feuer, das reinigt (kauterisiert). Dieser Akt bedeutet, dass die Heiligkeit Gottes, die droht, den Sünder zu zerstören, durch den Altar vermittelt werden kann, um den Sünder zu reinigen. Erst nach dieser schmerzhaften Reinigung – und der Gewissheit der Vergebung – ist Jesaja fähig, die Stimme des Herrn zu hören. Die Schuld wird nicht durch Ignorieren entfernt, sondern durch Wegbrennen mittels eines Opfermediums.
Vers 8 markiert einen dramatischen Wendepunkt in der Erzählung. Zum ersten Mal hört Jesaja die Stimme des Herrn (Adonai) direkt, anstatt den Gesang der Seraphim. Die Frage ist einzigartig im Korpus der prophetischen Literatur: „Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?“.
Diese Frage offenbart die interne Beratung der Gottheit. Der Wechsel vom Singular „Ich“ („Wen soll ich senden?“) zum Plural „Uns“ („Wer wird für uns gehen?“) hat jahrhundertelange theologische Spekulationen ausgelöst.
Der göttliche Rat: Historisch-kritische Gelehrte sehen dies oft als Jahwe, der sich mit seinem himmlischen Hof, den Engelscharen, die seinen Willen ausführen, berät.
Der Pluralis Majestatis: Einige interpretieren es als ein „königliches Wir“, das die Ernsthaftigkeit der Rede des Souveräns widerspiegelt.
Trinitarische Andeutung: Die christliche Theologie hat traditionell in diesem Plural einen proleptischen Hinweis auf die Dreifaltigkeit gehört – Vater, Sohn und Heiliger Geist im Ratschluss über die Erlösung (und das Gericht) der Welt.
Ungeachtet des präzisen metaphysischen Referenten impliziert die Frage, dass Gott einen willigen Partner in der göttlichen Ökonomie sucht. Anders als Jeremia, der im Mutterleib geweiht wurde und seine Jugend protestiert (Jeremia 1), oder Mose, der mit dem brennenden Dornbusch streitet (2. Mose 3-4), ist Jesajas Ruf als Einladung zur Freiwilligkeit gefasst. Die Frage hängt in der Luft des raucherfüllten Tempels, eine offene Einladung an jeden, der gereinigt wurde.
Jesajas Antwort, Hineni, shelacheni („Hier bin ich. Sende mich!“), markiert den Übergang von einem passiven Empfänger der Gnade zu einem aktiven Wortträger. Dieser Voluntarismus ist bedeutsam. Jesaja fragt nicht nach dem Ziel, dem Gehalt oder der Dauer der Mission. Die Erfahrung der Gnade schafft einen Drang zu dienen. Wie in der Forschung angemerkt, ist das „Hier bin ich“ die richtige Antwort des Geschöpfes auf den Schöpfer, die völlige Verfügbarkeit signalisiert.
Um die theologische Verbindung zu Lukas 7 vollständig zu erfassen, muss man sich der erschreckenden Natur der Mission stellen, die Jesaja annimmt. Er meldet sich freiwillig, ohne die Aufgabe zu kennen, und die Aufgabe erweist sich als eine der schwersten Lasten, die je einem Menschen auferlegt wurden. Der Auftrag in den Versen 9-10 ist ein Befehl, richterliche Verstockung zu bewirken:
„Geh und sprich zu diesem Volk: ‚Hört immerfort, aber versteht nicht; seht immerfort, aber erkennt nicht! Mache das Herz dieses Volkes stumpf und seine Ohren schwer und verblende seine Augen, damit es nicht mit seinen Augen sieht und mit seinen Ohren hört und mit seinem Herzen versteht und sich bekehrt und geheilt wird.‘“
Dies ist eine „negative Mission“. Weil das Volk Gott beharrlich verworfen hat (wie in der Anklage von Jesaja 1-5 detailliert beschrieben), wird das prophetische Wort nicht länger dazu dienen, unmittelbare Buße zu bewirken. Stattdessen wird die Verkündigung der Wahrheit selbst dazu dienen, sie in ihrer Rebellion zu versiegeln und sie unempfindlich gegenüber der göttlichen Realität zu machen, bis das Gericht des Exils vollendet ist. Der Prophet wird gesandt, um sicherzustellen, dass sie nicht sehen und nicht geheilt werden.
Dies schafft eine Trajektorie sensorischer Deprivation im geistlichen Leben Israels. Die Augen sind verschlossen; die Ohren sind verstopft. Dies ist der „jesajanische Zustand“ – ein Zustand geistlichen Komas, hervorgerufen durch die Ablehnung des Lichts. Entscheidend ist, dass der Text explizit besagt, dass diese Blindheit dazu bestimmt ist, „Heilung“ (rapha) zu verhindern. Dies schafft eine spezifische theologische Spannung: Wann werden die Augen geöffnet? Wann werden die Ohren entstopft? Wann wird die Heilung kommen? Die durch Jesaja 6 geschaffene Erwartung ist, dass das Gericht der Blindheit und Taubheit bestehen bleiben wird, bis eine spezifische, göttliche Intervention eintritt, um es umzukehren.
Der Schatten von Jesaja 6,9-10 erstreckte sich lange über die Geschichte Israels. Das babylonische Exil kam und ging, der Tempel wurde wieder aufgebaut, doch das von Jesaja beschriebene geistliche Unbehagen schien fortzubestehen. Die „Herrlichkeit“, die Jesaja den Tempel erfüllen sah, kehrte im Zweiten Tempel nicht auf die gleiche manifeste Weise zurück. Die intertestamentarische Periode (oder Zeit des Zweiten Tempels) war durch eine Vielfalt jüdischer Erwartungen gekennzeichnet, doch ein gemeinsamer Nenner war das Gefühl, dass das Exil noch nicht vollständig beendet war, weil der geistliche Zustand des Volkes ungeheilt blieb.
Das Motiv der Blindheit und Taubheit wurde zu einer Standardmethode, den rebellischen Zustand der Nation zu beschreiben. Die Qumran-Gemeinschaft zum Beispiel betrachtete das Jerusalemer Establishment als „blind“ und „taub“ für die wahre Auslegung der Tora. Es wuchs die Erwartung, dass die Ankunft des messianischen Zeitalters durch die Aufhebung dieses sensorischen Fluchs gekennzeichnet sein würde. Jesaja selbst hatte diese Umkehrung in späteren Kapiteln prophezeit: „Dann werden die Augen der Blinden geöffnet und die Ohren der Tauben aufgetan werden“ (Jesaja 35,5).
Ein entscheidendes Beweisstück, das Jesajas Prophezeiungen mit der Zeit Jesu verbindet, findet sich in den Schriftrollen vom Toten Meer, insbesondere dem Fragment bekannt als 4Q521 („Die messianische Apokalypse“). Dieser Text, der auf das erste oder zweite Jahrhundert v. Chr. datiert wird, beschreibt die Ära des Messias in Begriffen, die Lukas 7,22 frappierend ähnlich sind. Die Schriftrolle lautet:
„... Himmel und Erde werden auf Seinen Messias hören... Denn Er wird die Verwundeten heilen und die Toten wiederbeleben und den Armen gute Nachricht bringen... Er, der die Gefangenen befreit, den Blinden das Augenlicht wiedergibt...“
Diese Entdeckung ist monumental für die neutestamentliche Forschung. Sie zeigt, dass zur Zeit Jesu eine spezifische Erwartungskristallisation bestand: Der Messias würde durch spezifische Taten der Macht identifiziert werden, nämlich die Heilung der Blinden, die Auferweckung der Toten und die Verkündigung an die Armen. Die Erwähnung der „Auferweckung der Toten“ in 4Q521 ist besonders bedeutsam, denn während Jesaja 26,19 von den Toten spricht, die auferstehen, ist sie nicht explizit mit dem persönlichen Dienst des Messias verbunden, so wie Jesaja 35 die Heilung der Blinden verbindet. 4Q521 zeigt, dass diese Texte (Jes 35, 61, 26) im ersten Jahrhundert gemeinsam als Gesamtbild des Kommenden gelesen wurden.
Dieser Hintergrund beleuchtet den Titel „Der Kommende“ (Ho Erchomenos), der in Lukas 7,19 verwendet wird. Dies war kein vager Begriff, sondern ein bedeutungsgeladener messianischer Titel, der wahrscheinlich aus Psalm 118,26 („Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN“) und Maleachi 3,1 („Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht“) abgeleitet ist. Johannes des Täufers Frage ist daher technisch präzise: „Bist du der spezifische Eschatologische Agent, auf den wir gewartet haben, oder ist der Zeitplan ausgedehnt?“.
Jahrhunderte nach Jesajas Vision verlagert sich die Erzählung vom Thronsaal in ein Verlies. Johannes der Täufer, der „Bote“, der vor dem Angesicht des Herrn gesandt wurde (Maleachi 3,1), ist von Herodes Antipas verhaftet worden. Johannes’ Dienst war nach dem Vorbild der feurigen Propheten alter Zeiten, insbesondere Elia, gestaltet. Er hatte eine Botschaft vom bevorstehenden, katastrophalen Gericht gepredigt. Er sprach vom Messias als einem, der eine Wurfschaufel in der Hand haben würde, um „die Spreu mit unlöschbarem Feuer zu verbrennen“ (Lukas 3,17) und die Axt an die Wurzel der Bäume zu legen (Lukas 3,9).
Johannes stand fest in der Tradition von Jesaja 61,2 und erwartete, dass der „Tag der Rache unseres Gottes“ gleichzeitig mit dem „Gnadenjahr des Herrn“ manifestiert würde. Für Johannes bedeutete die Ankunft des Reiches die Reinigung der Gottlosen und die Rechtfertigung der Gerechten. Aus seiner Gefängniszelle heraus sind die Berichte, die er über Jesus erhält, jedoch verwirrend. Es gibt kein Feuer. Es gibt keine Axt. Herodes sitzt immer noch auf dem Thron. Rom ist immer noch an der Macht. Statt des Gerichts isst Jesus mit Zöllnern, berührt Aussätzige und heilt die Diener römischer Hauptleute.
Diese kognitive Dissonanz führt zu einer Glaubenskrise. Wenn Jesus der „Kommende“ ist, warum sieht die Welt dann noch genauso aus? Warum ist der Vorläufer in Ketten, während der Messias feiert? Dies veranlasst Johannes, zwei seiner Jünger mit der ultimativen Frage zu senden: „Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Lukas 7,19). Dies ist nicht nur ein persönlicher Zweifel; es ist eine theologische Krise bezüglich der Natur der Mission des Messias.
Als Johannes’ Boten eintreffen, geht Jesus nicht sofort in eine verbale Verteidigung über. Er debattiert nicht über Eschatologie oder hält einen Vortrag über die „schon/noch nicht“-Spannung des Reiches. Stattdessen verzeichnet Lukas ein Detail, das oft übersehen wird: „Und in derselben Stunde heilte er viele von Krankheiten, Gebrechen und bösen Geistern; und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht“ (Lukas 7,21).
Die Antwort ist zunächst performativ. Jesus bestätigt seine Autorität nicht durch Argumentation, sondern durch die Demonstration von Kraft (dynamis). Er vollzieht die Umkehrung des Fluchs, den Jesaja 6 ausgesprochen hatte. Die „Stunde“ der Prüfung für Johannes wird zur „Stunde“ der Heilung für die Menschenmengen.
Nach der Demonstration erstellt Jesus einen mündlichen Bericht, der an Johannes zurückgebracht werden soll. Diese Antwort ist ein meisterhaftes Geflecht alttestamentlicher Anspielungen, speziell aus dem Buch Jesaja gezogen.
„Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt:
Die Blinden werden sehend (Anspielung: Jesaja 35,5)
Die Lahmen gehen (Anspielung: Jesaja 35,6)
Die Aussätzigen werden rein (Anspielung: 2. Könige 5 / 3. Mose 14)
Die Tauben hören (Anspielung: Jesaja 35,5; 29,18)
Die Toten werden auferweckt (Anspielung: Jesaja 26,19)
Den Armen wird das Evangelium verkündet (Anspielung: Jesaja 61,1)“.
Diese Liste ist nicht zufällig. Sie ist eine Checkliste des messianischen Zeitalters. Indem Jesus diese spezifischen Wunder zitiert, kommuniziert er mit Johannes in einem Code, den ein Prophet verstehen würde. Er sagt: „Johannes, der Tag der Rache mag sich verzögern, aber der Tag der Wiederherstellung ist gekommen. Die Prophezeiungen aus Jesaja 35 erfüllen sich in eurem Hören.“
Entscheidend ist, dass die Liste in „den Armen wird das Evangelium verkündet“ gipfelt. In der Hierarchie der Wunder könnte man erwarten, dass die Auferweckung der Toten der Höhepunkt wäre. Doch Jesus stellt die Verkündigung des Evangeliums an die Armen an die Spitze. Dies signalisiert eine totale Werteumkehrung. In der Antike wurde Armut oft als Zeichen göttlicher Ungnade angesehen. Indem Jesus die Armen zu den primären Empfängern des Reiches macht, zeigt er an, dass die Natur seines Messiasamtes chessed (Barmherzigkeit) und Gnade ist, und nicht ein unmittelbares Vergeltungsgericht.
Das Herzstück dieses Forschungsberichts liegt in der Synthese dieser beiden Erzählungen. Wenn Jesaja 6,8 und Lukas 7,22 übereinandergelegt werden, offenbart sich ein tiefgreifendes Muster von Gericht und Umkehrung.
Das Konzept des „Sendens“ dient als sprachliche Brücke zwischen den beiden Texten.
| Merkmal | Jesaja 6,8 (MT / LXX) | Lukas 7,22 (Griechischer Text) |
| Das Verb | Heb: Shalach (שָׁלַח) / Gk: Apostello (ἀποστέλλω) | Gk: Poreuthentes (πορευθέντες) & Apaggeilate (ἀπαγγείλατε) |
| Der Agent | Der präinkarnierte Herr (Adonai) | Der inkarnierte Herr (Jesus) |
| Die Bedeutung | Mit einem Auftrag entsenden | „Nachdem sie gegangen sind, berichten/verkünden“ |
| Das Objekt | Jesaja (Der Prophet) | Die Jünger Johannes’ (Die Zeugen) |
Jesaja 6,8: Das hebräische Verb shalach impliziert die autoritative Entsendung eines Agenten durch einen Vorgesetzten. Die Septuaginta übersetzt dies mit apostello, der Wurzel des neutestamentlichen Wortes „Apostel“. Jesaja ist der „Gesandte“ (Apostel) des Alten Bundes, beauftragt, die Bindung des Volkes zu verkünden.
Lukas 7: Das Konzept von apostello ist in Lukas’ Schriften allgegenwärtig. Johannes der Täufer ist ein Mann, „von Gott gesandt (apestalken)“ (Johannes 1,6). In Lukas 7,20 sagen Johannes’ Jünger: „Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt (apestalken)“. Jesus befiehlt ihnen dann: „Geht“ (poreuthentes – von poreuomai, reisen/durchqueren).
Die theologische Implikation ist eine Befehlskette. In Jesaja 6 fragt der dreieinige Gott: „Wen soll ich senden?“ In der Fülle der Zeit antwortet der Sohn: „Hier bin ich“, und tritt in die Geschichte ein. Nun, in Lukas 7, übt der Gesandte Sohn die Autorität des Sendenden aus. Er beauftragt Johannes’ Jünger, Apostel der neuen Realität zu werden. Die Autorität, die Jesaja einst befahl, Augen zu verschließen, befiehlt nun Boten, zu berichten, dass Augen offen sind.
Die wichtigste Erkenntnis in dieser Analyse ist der Kontrast zwischen dem Inhalt der beiden Aufträge. Sie sind Spiegelbilder voneinander.
| Thema | Jesaja 6,9-10 (Der Auftrag des Gerichts) | Lukas 7,22 (Der Auftrag der Gnade) |
| Sehen | „Verblende ihre Augen“ / „Sehen, aber nicht wahrnehmen“ | „Die Blinden werden sehend“ |
| Hören | „Mache ihre Ohren schwer“ / „Hören, aber nicht verstehen“ | „Die Tauben hören“ |
| Verständnis | „Mache das Herz dieses Volkes stumpf“ | „Den Armen wird das Evangelium verkündet“ (Empfang der Wahrheit) |
| Ergebnis | „Damit sie nicht... sich bekehren und geheilt werden“ (Heilung vorenthalten) | „Aussätzige werden rein“ / „Tote werden auferweckt“ (Heilung gewährt) |
Analyse:
Jesaja wurde gesandt, um die Sinnesorgane des Volkes zu versiegeln. Seine Predigt war ein Gericht, das das Volk unfähig machte, Gott wahrzunehmen, was zur „Verwüstung“ der Städte und ins Exil führte.
Jesus demonstriert, dass er gekommen ist, um dieses spezifische Gericht umzukehren. Die Heilung der Blinden und Tauben ist nicht nur ein Akt des Mitgefühls; es ist ein theologisches Signal, dass die „Zeiten der Heiden“ und die Ära der Verstockung durch die Invasion der Gnade unterbrochen werden. Der „jesajanische Zustand“ des sensorischen Todes wird umgestürzt.
Das Hören der Tauben: Die Heilung der Tauben ist besonders bedeutsam. In Jesaja 6,10 sind die Ohren „schwer“ (kabed). In Lukas 7 hören die Tauben. Paulus schreibt später, dass „der Glaube aus dem Hören kommt“ (Römer 10,17). Indem er die Ohren öffnet, schafft Jesus die Fähigkeit zum Glauben und kehrt die geistliche Unfähigkeit um, die Israels Geschichte prägte.
Jesaja 6,8 enthält den rätselhaften Plural „Wer wird für Uns gehen?“. Lukas 7,22 liefert die Verwirklichung dieser Pluralität in Einheit.
Der Vater: Der Ursprung der Mission (impliziert als derjenige, der Johannes und Jesus gesandt hat).
Der Sohn: Der aktive Agent („Ich“), der die Werke vollbringt.
Der Geist: Die Kraft, durch die die Werke geschehen. In Lukas 4,18 verbindet Jesus seine Fähigkeit, „den Blinden das Augenlicht zu geben“, explizit mit der Tatsache, dass „der Geist des Herrn auf mir ruht“ (unter Bezugnahme auf Jesaja 61).
Die Mission ist trinitarisch. Das „Uns“ des himmlischen Ratschlusses findet seinen irdischen Ausdruck im Dienst Jesu. Jesus ist der Freiwillige, der vortrat, um die Frage aus Jesaja 6,8 zu beantworten – nicht um Lippen mit einer Kohle zu verbrennen, sondern um sie mit einem Wort zu heilen. Er überbrückt die Kluft zwischen Gottes Heiligkeit (Jesaja 6) und der Unreinheit des Menschen (Lukas 7) durch seine eigene inkarnatorische Präsenz.
Die Aufnahme der „Armen“ in Lukas 7,22 ist ein deutlich lukanischer Schwerpunkt (vgl. Lukas 4,18; 6,20). In Jesaja 6 wird der Prophet zu „diesem Volk“ gesandt – einer allgemeinen Bezeichnung für die Nation. In Lukas 7 sind die Empfänger des Evangeliums spezifisch die Marginalisierten: die Blinden, die Lahmen, die Aussätzigen, die Armen.
Dies deutet auf eine „Demokratisierung“ der prophetischen Begegnung hin. In Jesaja 6 war die Vision dem Propheten im Tempel vorbehalten. In Lukas 7 wird die „Herrlichkeit des Herrn“ (Heilung/Wiederherstellung) den gesellschaftlichen Außenseitern auf dem Land zugänglich gemacht. Der „Heilige Same“, der in Jesaja 6,13 erwähnt wird – der Überrest, der nach dem Brand übrig bleiben würde – wird von Jesus als die „Armen“ identifiziert, die das Reich empfangen. Der Überrest ist nicht die politische Elite, sondern die demütigen Empfänger der Gnade.
Der Ausdruck „Hier bin ich“ (Hineni) hat durch die Korridore der jüdischen und christlichen Geschichte als Archetypus der gläubigen Antwort widergehallt. Er wurde von Abraham (1. Mose 22), Jakob (1. Mose 31), Mose (2. Mose 3) und Samuel (1. Samuel 3) gesprochen. In Jesaja 6,8 repräsentiert es die Hingabe des Willens an die überlegene Weisheit Gottes.
In der christlichen Homiletik wird dieser Text oft mit dem Großen Missionsbefehl (Matthäus 28,19) gepaart. Die Logik besagt, dass, so wie Jesaja sich freiwillig meldete, die Botschaft des Gerichts nach Israel zu tragen, die Kirche aufgerufen ist, sich freiwillig zu melden, um die Botschaft des Heils den Nationen zu bringen. Der lukanische Kontext fügt jedoch eine Nuance hinzu: Wir gehen nicht mit einer Botschaft der Verstockung, sondern mit den „Schlüsseln“, um blinde Augen zu öffnen. Das „Hier bin ich“ des Gläubigen ist eine Zustimmung, ein Vehikel der Umkehrung zu sein.
Lukas 7 bietet tiefe seelsorgerische Ressourcen für den Umgang mit Zweifeln. Johannes der Täufer, der „Größte unter denen, die von Frauen geboren wurden“ (Lukas 7,28), erlebte tiefe Zweifel, weil Gottes Plan nicht mit seinem theologischen Zeitplan übereinstimmte. Er erwartete Feuer; er erhielt Heilung. Er erwartete Befreiung; er blieb im Gefängnis.
Jesu Antwort an Johannes ist ein Modell für die Seelsorge. Er tadelt Johannes nicht für seine Zweifel. Er verlangt keinen blinden Glauben. Stattdessen liefert er Beweise („berichtet ihm, was ihr gesehen habt“) und verweist ihn zurück auf die Heilige Schrift (Jesaja 35/61). Die Implikation ist, dass, wenn wir von Gott enttäuscht sind, die Lösung darin besteht, unsere Erwartungen im Licht des gesamten Ratschlusses der Schrift neu zu prüfen – insbesondere der Teile, die von Barmherzigkeit und langsamer, wiederherstellender Arbeit sprechen, anstatt nur der Teile, die von unmittelbarer Rechtfertigung sprechen.
Schließlich definiert die Verbindung zwischen Jesaja 6,8 und Lukas 7,22 das Wesen der Kirche. Die Kirche ist die „apostolische“ (gesandte) Gemeinschaft. Aber wozu sind wir gesandt?
Wir sind nicht gesandt, Augen zu verblenden oder Ohren zu verstopfen (das jesajanische Gericht ist erfüllt).
Wir sind gesandt, den Blinden das Augenlicht, den Aussätzigen die Reinigung und den Armen die gute Nachricht zu verkünden (der lukanische Auftrag).
Die „Werke“ der Kirche – soziale Gerechtigkeit, medizinische Missionen, Evangelisation – sind nicht nur humanitäre Akte; sie sind theologische Aussagen, dass das messianische Zeitalter angebrochen ist und der Fluch von Jesaja 6 zurückgenommen wird. Jeder Akt der Heilung und jede Verkündigung des Evangeliums ist eine Erklärung, dass der „Heilige, Heilige, Heilige“ Gott nahe gekommen ist, um zu retten.
Die Korrelation zwischen Jesaja 6,8 und Lukas 7,22 dient als Generalschlüssel zum Verständnis des Fortschreitens der biblischen Geschichte. Jesaja 6,8 stellt die ewige Frage der Gottheit: „Wer wird für uns gehen?“, um die Krise eines sündigen Volkes anzugehen. Die unmittelbare historische Antwort war Jesaja, dessen notwendige, aber tragische Mission es war, die unvermeidlichen Folgen der Sünde zu verkünden: eine Verstockung des Herzens und die Verwüstung des Landes.
Die ultimative theologische Antwort auf diese Frage ist jedoch Jesus von Nazareth. In Lukas 7,22 steht Jesus inmitten der Zerbrochenheit der Welt – der Blinden, der Lahmen, der Aussätzigen, der Armen – und erklärt durch seine Taten, dass der Freiwillige eingetroffen ist. Er ist derjenige, der für „Uns“ geht. Doch anders als der Prophet, der gesandt wurde, um zu binden, ist der Sohn gesandt, um zu lösen. Er kehrt die sensorische Deprivation des Gerichts um, öffnet die Augen, die verschlossen waren, und entstopft die Ohren, die schwer waren.
Jesus bestätigt seine Identität gegenüber Johannes dem Täufer nicht, indem er sich der Erwartung einer unmittelbaren politischen Rache anpasst, sondern indem er die tiefere, ältere Hoffnung auf Wiederherstellung erfüllt. Das Gericht des „Heiligen, Heiligen, Heiligen“ Gottes wird nicht lediglich durch die Zerstörung des Sünders gesättigt, sondern durch die sühnende Kohle des Altars und die heilende Berührung des Messias. Lukas 7,22 ist die glorreiche Ankündigung, dass der Ruf „Hier bin ich“ von demjenigen beantwortet wurde, der die Macht hat, die Blinden sehend zu machen.
Zusammenfassung der wichtigsten intertextuellen Verbindungen
| Thema | Kontext Jesaja 6,8-10 | Kontext Lukas 7,22 | Theologische Implikation |
| Der Sender |
Der Herr (Adonai) auf dem Thron |
Jesus (als Herr handelnd) | Jesus übt göttliche Autorität zum Senden aus. |
| Der Bote |
Jesaja (Freiwillig: „Hier bin ich“) |
Jesus (Der „Kommende“) | Jesus ist die ultimative Erfüllung des Freiwilligen. |
| Die Sinne |
Augen geblendet, Ohren schwer gemacht |
Blinde sehen, Taube hören | Die große Umkehrung: Jesus kehrt die richterliche Verstockung um. |
| Das Publikum |
Ein Volk „unreiner Lippen“ |
Die Armen, Aussätzigen, Blinden | Gnade wird den Marginalisierten/Unreinen zuteil. |
| Das Ergebnis |
Verwüstung, bis die Städte in Trümmern liegen |
Segen („Gesegnet sei, der...“) | Der Übergang vom Gericht zum Zeitalter der Gnade (Jubeljahr). |
| Verifizierung | Das „Zeichen“ ist Gericht/Verstockung. | Das „Zeichen“ ist Heilung/Wiederherstellung. | Wunder bestätigen den messianischen Anspruch gegenüber Zweifeln. |
Der Weg vom Thronsaal Jesajas 6 zu den Wundern Lukas 7 ist der Weg von der Notwendigkeit des Gerichts zur Ankunft des Heils. Die Frage „Wen soll ich senden?“ erhält ihre endgültige, triumphale Antwort in den Werken Christi: „Die Blinden werden sehend… und den Armen wird das Evangelium verkündet.“
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Jesaja 6:8 • Lukas 7:22
Es gibt eine sterbende Welt da draußen, und wir als Christen haben das Heilmittel für ihre Heilung. Den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen bedeutet a...
Jesaja 6,8 • Lukas 7,22
Die biblische Erzählung bietet uns eine tiefe Symmetrie zwischen zwei unterschiedlichen Momenten der Geschichte: einer Vision in einem rauchgefüllten ...
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