Die Salbung Des Friedens: Wenn Der Himmel Die Erde Berührt

Ein Wallfahrtslied. Von David. Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen! Wie das feine Öl auf dem Haupt, das herabfließt in den Bart, den Bart Aarons, das herabfließt bis zum Saum seiner Kleider; wie der Tau des Hermon, der herabfällt auf die Berge Zions; denn daselbst hat der HERR den Segen verheißen, Leben bis in Ewigkeit.Psalmen 133:1-3
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!Lukas 2:14

Zusammenfassung: Wahrer Friede und wahre Einheit sind keine Strukturen, die wir von Grund auf selbst aufbauen, sondern Segnungen, die vom Herzen Gottes herabfließen. Durch die alte Bildsprache des Salböls und des fallenden Taus sehen wir, dass wir die Einheit des Geistes nicht erschaffen; wir empfangen sie einfach von Christus, unserem Haupt. So wie die Engel den Menschen seines Wohlgefallens Frieden verkündeten, ist unser Stand durch Sein souveränes Wohlgefallen gesichert und nicht durch unsere menschliche Anstrengung. Lasst uns uns daher unter diesen Gnadenstrom stellen und als eine Gemeinschaft leben, auf der der befohlene Segen der Gegenwart Gottes ruht.

Ein tiefgreifender theologischer Dialog besteht zwischen den Liedern der alttestamentlichen Pilger und den himmlischen Heerscharen des Neuen Testaments. Gemeinsam offenbaren sie, dass wahrer Friede und wahre Einheit nichts sind, was wir von Grund auf selbst aufbauen, sondern Segnungen, die vom Herzen Gottes herabfließen.

1. Die vertikale Architektur der Gnade

In einer Welt, die oft versucht, Einheit durch menschliche Anstrengung zu konstruieren – ähnlich dem Turm zu Babel – präsentiert die Schrift eine andere Architektur. Sowohl das alte Lied Davids (Psalm 133) als auch die Verkündigung der Engel (Lukas 2,14) beschreiben eine „Theologie des Herabsteigens“.

In Psalm 133 fließt das Salböl herab auf Aarons Bart, und der Tau fällt herab auf Zion. In Lukas 2 erscheint die Herrlichkeit Gottes in der Höhe und bringt Frieden herab auf die Erde. Die erbauliche Botschaft für den Gläubigen ist klar: Wir erschaffen die Einheit des Geistes nicht; wir empfangen sie einfach. Unsere Aufgabe ist es, uns unter den Fluss der Gnade Gottes zu stellen.

2. Psalm 133: Die Schönheit des gesalbten Leibes

Der Psalmist ruft uns auf, etwas „Gutes und Liebliches“ zu schauen: dass Brüder einträchtig beieinander wohnen. Diese Einheit wird durch zwei kraftvolle Bilder beschrieben, die heute zu unserer geistlichen Vitalität sprechen.

Die priesterliche Salbung (Das Öl)

David vergleicht die Einheit mit dem heiligen Salböl, das über den Hohenpriester Aaron gegossen wurde. Dieses Öl war eine einzigartige „Parfümischung“ aus Myrrhe, Zimt und Kassia – Zutaten, die von Süße, Heilung und Heiligkeit sprechen.

  • Die Lektion: Das Öl wird auf das Haupt (Aaron) gegossen und fließt zum Leib herab. Christus ist unser wahrer Hohepriester und Haupt. Weil Er mit dem Geist ohne Maß gesalbt wurde, haben wir – Sein Leib – Anteil an dieser Salbung. Unsere Einheit ist das Ergebnis dessen, dass wir mit demselben Geist bedeckt sind, der auf Jesus ruht.
  • Die lebenspendende Feuchtigkeit (Der Tau)

    Der Psalm vergleicht die Einheit auch mit dem schweren Tau des Berges Hermon, der auf die trockenen Hügel Zions fällt. Geografisch ist dies ein Paradox; der Hermon liegt weit im Norden. Theologisch ist es ein Versprechen.

  • Die Lektion: Gott befiehlt einen Segen, der Geografie und Logik übersteigt. In den trockenen Zeiten unseres Lebens transportiert Gott auf übernatürliche Weise Ressourcen vom Ort des Überflusses (Himmel) zum Ort der Not (Erde). Einheit unter Gläubigen wirkt wie dieser erfrischende Tau und hält uns lebendig und fruchtbar in einer trockenen Welt.
  • 3. Lukas 2,14: Die Untergrabung falschen Friedens

    Als die Engel den Himmel spalteten, um die Geburt Jesu zu verkünden, proklamierten sie: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

    Wahrer Friede vs. der Friede der Welt

    Diese Verkündigung war eine direkte Herausforderung an die politischen Mächte jener Zeit. Das Römische Reich rühmte sich der Pax Romana – eines Friedens, der mit dem Schwert aufrechterhalten wurde. Doch das Evangelium verkündet Eirene (Schalom) – einen Frieden der Ganzheit, des Gedeihens und der Versöhnung.

  • Die Lektion: Die Welt bietet einen Frieden, der lediglich die Abwesenheit von Konflikt ist. Christus bietet einen Frieden, der die Gegenwart Gottes ist.
  • Die Menschen seines Wohlgefallens

    Ein tieferer Blick in den Text offenbart, dass dieser Friede anthropois eudokias – „Menschen seines [Gottes] Wohlgefallens“ – gewährt wird. Dies ist kein Friede, der durch menschlichen guten Willen verdient wird, sondern ein Friede, der durch Gottes souveräne Gunst gewährt wird.

  • Die Lektion: Wir sind die Empfänger eines „befohlenen Segens“. So wie Gott wählte, den Tau nach Zion zu senden, so wählte Er, Seinen Sohn zu uns zu senden. Unser Stand in der Gnade ist nicht aufgrund unserer Leistung gesichert, sondern aufgrund Seines Wohlgefallens.
  • Fazit: Der befohlene Segen

    Diese beiden Texte verschmelzen zu einem wunderschönen Bild der Kirche. Psalm 133 nimmt vorweg, was Lukas 2 erfüllt.

    Das Öl auf Aarons Bart war ein Schatten; der Geist auf Christus ist die Substanz.
  • Der Tau auf Zion war ein Vorbild; die Gnade des Evangeliums ist die Realität.
  • Die Einheit der Stämme war eine Hoffnung; die Gemeinschaft der Heiligen ist unser Wunder.
  • Für den Gläubigen ist dies ein Aufruf, „die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens“ (Epheser 4,3). Wir sind aufgerufen, als eine Gemeinschaft zu leben, wo das Öl fließt und der Tau fällt – ein gegenkultureller Zufluchtsort, wo die Welt sehen kann, dass Gott tatsächlich herabgestiegen ist, um unter Seinem Volk zu wohnen.