Weihnachtserinnerungen

Du machst des Jubels viel, du machst seine Freude groß; sie werden sich vor dir freuen, wie man sich in der Ernte freut, wie die Sieger jubeln, wenn sie Beute teilen.Jesaja 9:2
Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.Matthäus 1:21
Faustino de Jesús Zamora Vargas

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Faustino de Jesús Zamora Vargas

Zusammenfassung: Der Autor erinnert sich an seine bescheidene Kindheit und die Weihnachtsfeste, an denen es nicht genug zu essen gab. Doch die Erinnerungen an die Weihnachtsworte und die guten Wünsche des Wohlstands für andere verblassten nie. Als er erwachsen wurde, entfernte er sich von Gott und der Religiosität, glaubt aber nun, dass eine bessere Welt nur mit Gottes Hilfe möglich ist. Er feiert Weihnachten mit der Hoffnung auf eine bessere Welt und dankt Gott für Seine Gegenwart in seinem Leben.

Diese vorweihnachtlichen Tage bringen uns wunderschöne Kindheitserinnerungen. Die Schönheit dieser Erinnerungen übertrifft jede Bitterkeit jenes Elends einer bescheidenen Kindheit, was bedeutete, jede neue Weihnacht ohne ein gutes Gericht zu erleben, das weder auf den Tisch noch in unsere kindlichen Mägen kam. Ich erinnere mich an die morgendlichen Gänge zum Lagerhaus (dem Laden) von Gustavo Artime an den Weihnachtstagen: Kisten voller Äpfel, Trauben so groß wie Haselnüsse, Haselnüsse, deren Geschmack ich nie verstand, noch warum sie nur zur Weihnachtszeit gegessen wurden, wie Nüsse und andere Süßigkeiten.

Noch immer erinnert sich mein Verstand an die „Geschenke“ von Herrn Gustavo, dem Lageristen, wenn wir ihm in jener Zeit, in der sich seine Verkäufe verdoppelten, den einen oder anderen Gefallen taten: ein kleines Päckchen Del Monte Rosinen, das wir zu zweit teilten, ein Estrellón (eine Süßigkeit), hart wie ein Stock, oder ein kleines Traubenbündel, das mir am besten gefiel. Auch nach so vielen Jahren kommen mir Geschmäcker, Gerüche und jene wiederholten Worte in den Sinn, eingehüllt in wunderbare Wünsche des Wohlstands an jene, denen wir sie mit überschwänglichem Enthusiasmus entgegenbrachten. „Frohe Weihnachten!“ – wiederholten wir Kinder, den Erwachsenen nacheifernd – „...und ein glückliches Neues Jahr!“ beendeten wir den Satz mit der Kraft einer gutverheißenden Aussage.

Die damalige Armut, die Erinnerungen an den Tisch ohne Tischtuch und an keine opulenten Abendessen, die meine Familie Jahr für Jahr begleiteten, konnten und werden die Erinnerungen an jene Weihnachtsbotschaften niemals auslöschen, die im Wesentlichen an jene gerichtet waren, die sie würdig… oder unwürdig, je nach Fall, feiern konnten. In jenen Kindertagen, ohne Bewusstsein für Religiosität noch für die Bedeutung von Weihnachten für die Menschheit, flößte mir der bloße Ausdruck „Jesuskind“ Respekt und eine zärtliche, tiefe und mysteriöse Liebe ein, die mit menschlichen Worten schwer zu erklären wäre.

Jahre später verschwanden Gott und das Jesuskind aus meinem Leben und ich sah sie nicht mehr. 40 Jahre vergingen, vielleicht eine längere Zeitspanne, die es nicht mehr wert ist, sich daran zu erinnern. Doch Gott verschwand nicht allein. Mit Ihm verschwanden die Äpfel, die Haselnüsse, die Trauben, die Worte und die guten Wünsche, die wir mit karger Freude aussprachen, kaum dass der Dezember begann. Gott zu leugnen wurde plötzlich zu einem Zeichen des guten Willens unter den Menschen. Neue Abbilder und Statuen tauchten auf, um den lebendigen Gott zu ersetzen. Das Wort erhob sich als Amboss für menschliche Hämmer, unstete Erbauer einer falschen und trügerischen, inkonsequenten Materialität. Die Rückkehr zum zeitgenössischen Pharisäismus, hinterhältiger und marginaler als vor 2000 Jahren, wurde zu einer moralistischen Doktrin mit elenden Zügen eines Holocausts.

Eine bessere Welt mag möglich sein, aber ohne Gott ist sie eine Utopie. Ohne Ihn wird jede Wahrscheinlichkeit einer Verbesserung dieses Planeten – übrigens von Ihm selbst seit Anbeginn der Zeiten geschaffen – durch Katastrophen, Umstände und Szenarien bedingt sein, die der Mensch selbst hervorbringen würde, um zu überleben. Wenn das menschliche Überleben das Ergebnis jeglichen Bestrebens sein soll, diese Welt irgendwann in der Geschichte besser zu machen, wäre der Preis zu hoch, um an der Möglichkeit ihrer Verbesserung zu arbeiten. Wie einfach wäre es doch, sich wieder Gott zuzuwenden!

Gott ist wieder in unseren kubanischen Gefilden aufgetaucht und mit Ihm die Äpfel, die Nüsse, die Trauben und… die Weihnacht. Wieder da sind die in Zellophan und bunte Bänder eingepackten Geschenke. Menschlich gesehen, wenn ich die Geschenkkörbe mit ihrem Knistern von Zellophan und ihren ausgeklügelten Verzierungen vorbeiziehen sehe, empfinde ich eine kindliche Freude in meinem Inneren. Christlich gesehen, empfinde ich tiefes Mitgefühl für diese Welt, in der täglich Zehntausende von Kindern sterben, die nicht einmal eine Weihnacht hatten.

Die Christenheit feiert die wahre und einzige Weihnacht mit der Hoffnung auf eine bessere Welt. Und natürlich ist es möglich! Emanuel ist hier bei uns. Seine bedingungslose Liebe erstaunt uns. Seine Gegenwart heute in unserem Leben ist genug, um Seine Geburt zu feiern. Seine Kinder brauchen Ihn allein zu Weihnachten, denn Er ist Weihnachten. Wir sind unermesslich reich, fabelhaft gesegnet. Vom Licht jener Krippe, das vor 2000 Jahren die Finsternis erhellte und heute unser Leben weiterhin erleuchtet, verkünden wir: Danke, Herr, für Dein Weihnachten! Danke, dass Du hier in unserer Heimat bist, und weil Du, obwohl wir Dich jahrelang verleugneten und Dich weiterhin auf jede mögliche Weise verleugnen, Dich niemals entfernt hast!

Frohe Weihnachten!